Hockey Nachrichten

Grusswort von Jürgen Häner, Präsident Berliner Hockey-Verband

Eröffnung der zwei neuen Kunstrasenplätze bei der Potsdamer Sport-Union 04

20.06.2020 - Ich bedanke mich für die Einladung zur Eröffnung ihrer neuen Hockeyplätze. Ich freue mich, dass auch zwei Vizepräsidentinnen des Brandenburger Hockey-Sportverbands hier sind. Gerne führe ich etwas zum Stellenwert von Hockey in Berlin und Brandenburg (I) sowie der Bedeutung des deutschen Hockeysports lokal und international aus (II).

Vorab möchte ich sie beglückwünschen, wie dieses Projekt mit der Stadtverwaltung von Potsdam in so kurzer Zeit umgesetzt werden konnte. Sie mussten ja lange genug darauf warten. Davon könnte Berlin lernen – allerdings sind dort die Voraussetzungen andere. Denn über die Sportanlagen der Vereine entscheiden die jeweils zuständigen Bezirksverwaltungen. Im Übrigen ist die Sportverwaltung des Senats zuständig, z.B. für Hockeyplätze im Olympiapark.

 "PSU macht Blau" - Eröffnung der neuen Kunstrasenplätze am 20. Juni 2020 (Foto © PSU)

 

I. Hockey in Berlin und Brandenburg

Der aktuelle Stellenwert von Hockey drückt sich sowohl im Land Brandenburg als auch in Berlin durch die Anerkennung eines Landesstützpunkts aus – in Brandenburg bis 2021, aber mit dieser modernen Infrastruktur bei PSU sicher auch darüber hinaus. Berlin ist als Landes- und Bundesstützpunkt jeweils bis 2024 anerkannt.

Diese Wertschätzung ist auch begründet durch die Tradition des Hockeysports in der Region Berlin und Brandenburg. Dazu möchte ich Folgendes in Erinnerung rufen:

Feldhockey, wie wir es heute kennen, kam Ende des 19. Jahrhunderts aus England zu uns. Und zwar waren es zunächst Damen, die dieses Spiel hier bekannt machten. Diese spielten mit knöchellangen Kleidern, hochgeschlossenen Blusen und Hüten mit dem „Krummstock“. Eine der wichtigsten Hockeyregeln war: Keine Hutnadeln zu benutzen.

Aus Hamburg und Berlin kamen die damals besten Teams. Seinerzeit wurden keine Wettkämpfe ausgetragen, sondern „Gesellschaftsspiele“. Im Anschluss traf man sich bei Gebäck und Tee. In Berlin ging der (bereits 1899 gegründete) Berliner Damen Hockeyclub 2005 in den damals gegründeten Berliner Hockeyclub (BHC) auf. Der gesellige Charakter blieb auch erhalten, als die Herrenwelt das Hockeyspiel für sich entdeckt hatte – neben dem Eishockey, was viele Hockeyspieler noch bis vor einigen Jahrzehnten parallel betrieben.

1907 rief ein Frankfurter Verein als Pokalwettbewerb für Vereinsmannschaften aus dem gesamten damaligen Deutschen Reich – das hatte seinerzeit noch einen Kaiser – den Silberschild aus. Dieser Wettbewerb blieb bis in die 30er Jahre die Grundlage für die Rekrutierung der deutschen Nationalmannschaft. Denn der 1909 gegründete Deutsche Hockey-Bund ließ reichsweite Vereinswettbewerbe nicht zu – ebenso wenig wie übrigens Damenhockey.

Diesen Silberschild-Wettbewerb gewann der 1914 gegründete Brandenburger Hockey-Verband zwischen 1926 und 1938 insgesamt 11 Mal. Die Gründung des Brandenburger Hockey-Verbands beendete einen Streit zwischen dem Deutschen Hockey-Bund und dem (ebenfalls 1909 gebildeten) Hockey-Ausschuss des Verbands Berliner Athletik-Vereine. Dieser hatte darin gegipfelt, das beide Verbände ihren Mitgliedsvereinen wechselseitig verboten hatten, gegeneinander anzutreten. Das geschah vor dem Hintergrund, dass die Präsidenten des Deutschen Hockeybunds in dieser Zeit und bis in die 30er Jahre alle aus Berlin kamen (vom BHC).

Aber es gab damals in Berlin noch eine dritte Gruppierung: Die Arbeitersportvereine, in denen (Land-) Hockey gespielt wurde. Das waren 1928 im inzwischen (1920) gebildeten Groß-Berlin immerhin 33 Vereine. Diese gehörten nicht dem Deutschen Hockey-Bund an und wurden 1933 von den neuen Machthabern verboten. Die Spieler, die sich danach „bürgerlichen“ Vereinen anschließen wollten, brauchten ein polizeiliches Führungszeugnis und zwei Bürgen.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es zwei Jahre einen gemeinsamen Spielbetrieb in Berlin und Brandenburg – bevor Potsdam, Nauen und Brandenburg (Stadt) 1952 mit den Vereinen aus der damaligen Hauptstadt der DDR, Berlin (Ost), eine gemeinsame Bezirksklasse bilden mussten.

In Berlin (West) bestimmte ab den 60er Jahren der Berliner Hockey-Club die Erfolgsgeschichte des Hockeys in unserer Region, indem er bei den Herren nach 1941 und 1942 noch fünfmal Deutscher Meister auf dem Feld und fünfmal in der Halle wurde, und ab den 90er Jahren auch dessen Damenmannschaft bis 2013 insgesamt 9 deutsche Meistertitel auf dem Feld und 6 in der Halle holte, abgesehen von ihren fünf internationalen Erfolgen.

Die sportliche Entwicklung im damaligen Bezirk Potsdam, der 1952 das Land Brandenburg ablöste, wie auch im sonstigen Gebiet der damaligen DDR verlief ganz anders. 1969 wurde (Land-) Hockey von den Leistungssportverantwortlichen der DDR nicht mehr als Medaillen versprechend angesehen und fortan nicht mehr gefördert. Dennoch wurde auch in der DDR weiter Hockey gespielt, unter in mehrfacher Hinsicht erschwerten Bedingungen. Diese hat Dr. Frank Haustein, ehemals Vizepräsident des Deutschen Hockey-Sportverbands (DHSV) der früheren DDR in einer kleinen Chronik eindrucksvoll beschrieben.

Nach der „Wende“ 1989 hat sich die Zusammenarbeit zwischen den Landeshockeyverbänden von Brandenburg und Berlin schlagartig verändert. Heute können wir sagen, dass die Anfang des 21. Jahrhunderts schon weit fortgeschrittene Idee der Verschmelzung beider Landeshockeyverbände praktisch weit fortgeschritten ist: Wir haben einen vom Berliner Hockeyverband organisierten gemeinsamen Spielbetrieb für fast alle Altersklassen. Die daran teilnehmen Vereine sind alle auch Mitglied im Berliner Hockey-Verband (seit fünf Jahren konstant mit etwa 1.100 Mitgliedern). Und die Geschäftsstelle des Berliner Hockey-Verbands ist auch Passstelle für alle Brandenburger Hockeyspieler- und Spielerinnen (übrigens auch die aus Mecklenburg-Vorpommern).

Es gibt in Brandenburg insbesondere in Großbeeren, Falkensee und Oberkrämer Vereine, die konstant dazu beitragen, dass Hockey in unserer Region weiter wächst.

Sowohl bei Schiedsrichtern, Trainern und Funktionären gibt es zwischen beiden Landeshockeyverbänden keine Berührungsängste und eine enge Zusammenarbeit, auch auf Bundesebene.

Das sind gute Voraussetzungen dafür, zur gemeinsamen Stärkung und zum effektiven Einsatz von personellen Ressourcen auch wieder über eine 2004 im märkischen Sand verlaufene formelle Verschmelzung beider Landeshockeyverbände neu nachzudenken, bevor der Deutsche Hockey-Bund im Rahmen seiner – zu begrüßenden – Aufbruchsstimmung uns ein schon 2003 diskutiertes regionales Kompetenz-Centren-Konzept zur Konzentration der Organisationsstrukturen vorsetzt. Bei gut 80.000 Mitgliedern des DHB in weniger als 400 Vereinen 15 Landeshockeyverbände mit ihren Gremien und Geschäftsstellen nebeneinander zu betreiben ist in der Tat überdenkenswert.

 

II. Bedeutung des deutschen Hockeysports lokal und international

Hockey ist in Deutschland eine sportlich unerreicht erfolgreiche Mannschaftssportart. Unser Erfolgsrezept ist die Begeisterung, man kann auch sagen Liebe zu unserem Sport. Dieser ist bei den Aktiven geprägt durch Leidenschaft, Fairness und Freude am Spiel – nicht durch finanzielle Anreize. Die Spielerinnen und Spieler verfolgen eine duale Karriere.

Diesen Sport kann jeder betreiben, ob jung oder alt, auch unabhängig von körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen. Hierfür gibt es auch in Berlin inzwischen spezielle Angebote.

Wir müssen und können damit leben, dass es für unseren Sport zwei Alleinstellungsmerkmale gibt:

  1. In keiner anderen Sportart werden die Regeln so oft geändert wie im Hockey.
  2. Keine andere Mannschafts-Ball-Sportart in Deutschland ist bei Olympischen Spielen so erfolgreich wie Feldhockey. Seit 1928 haben deutsche Mannschaften insgesamt 14 Medaillen geholt, davon 4 Goldmedaillen (1972, 1992, 2008, 2012) die Herren und 1 Goldmedaille die Damen (2004). Immer waren auch Berliner Spieler bzw. Spielerinnen dabei.

Auf diese Erfolge könne wir alle zusammen stolz sein. Sie verpflichten uns aber auch, damit wir uns auch in Zukunft über solche Erfolge gemeinsam freuen können.

Dazu brauchen wir weiterhin die Enthusiasten, die in den Vereinen an der Basis in der Breite die Grundlagen schaffen, aus der sich über die Jahre die Leistungsträger entwickeln, die eines Tages an Olympischen Spielen teilnehmen. Und diese können auch mal aus Brandenburg kommen, wie mit Martin Zwicker (ursprünglich) aus Sachsen-Anhalt aktuell ein Olympiakandidat erwachsen ist. Nationalkader kamen bei den Damen auch schon aus Sachsen.

Die hier beim PSU geschaffenen modernen und nachhaltigen Hockeyplätze bieten beste Voraussetzungen, in der Breite Jugendhockey zu verstärken. Die erhebliche Investition bedarf aber des Schutzes durch regelmäßige Pflege, damit die Plätze nicht in Kürze durch sie umgebende Bäume verdrecken und verhärten. Die Bemühungen von PSU bei der Stadtverwaltung Potsdam, dem durch Beschaffung einer Reinigungsmaschine zu entsprechen, die dann in Vereinsregie betrieben wird, unterstützen wir ausdrücklich.

Ich danke für ihre Aufmerksamkeit und bin sicher, das alle Gastvereine wieder gerne bereit sind, bei PSU zu spielen.

 

 
5. August 2020
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